2016/01/27

Brother KX 350 - Top oder Flop?



Die Entscheidung:
Kurz vor dem Jahreswechsel bat mich meine Mutter, mit ihr zusammen unsere gemeinsamen Handstrick-Wollvorräte aus den 80ern und 90ern durchzusortieren, um zu entscheiden, was wir noch behalten wollen und was weggeben werden kann. Wir fanden unglaubliche Schätze aus Angora, Mohair, Wolle und viele andere tolle Garne sowie halbfertige Strickstücke, die einfach zu schade zum Weggeben sind und viele Erinnerungen hervorriefen. Ich sinnierte so vor mich hin, dass man einen Mittelstricker bräuchte, um die Garne zu verstricken, denn für meinen Feinstricker sind sie zu dick. Abends recherchierte ich dann, welche Mittelstricker es überhaupt noch zu kaufen gibt, und kam schnell zu dem Schluß, dass es sich für mich nicht lohnt, einen teuren Silver Reed Mittelstricker zu kaufen, da ich gar nicht weiß, ob ich ihn wirklich regelmäßig nutzen werde. Außerdem scheue ich mich davor, mich in ein anderes Fabrikat einzuarbeiten, nicht, weil ich es mir nicht zutraue, sondern einfach, weil im Moment keine Zeit dafür da ist. Als sinnvollste Alternative blieb damit nur noch der Mittelstricker Brother KX 350, ein sogenannter "Plastikbomber", eine ganz einfache, manuelle Strickmaschine mit Plastikbett mit 130 Nadeln und einem Nadelabstand von 7 mm, für die es auch kein Doppelbett gibt, bei der aber die Einarbeitungszeit für mich weitestgehend entfallen würde, da alle Brother-Maschinen ähnlich arbeiten.

Die Meinungen über diese Maschinen gehen im Netz weit auseinander. Manche Stricker/-innen können diesen Plastikmaschinen gar nichts abgewinnen, andere sind begeistert davon. Auf Ravelry kann man sehen, dass mit dieser Maschine durchaus vorzeigbare Ergebnisse erzielt werden können! Wie bei jeder anderen Strickmaschine auch, kommt es auf die Fähigkeiten und die Kreativität der Person an, die vor der Maschine sitzt. Ich habe daher spontan beschlossen, ihr eine Chance zu geben, nachdem ich noch am selben Abend ein unwiderstehliches Angebot bei Ebay-Kleinanzeigen fand. Mit der Verkäuferin wurde ich mir schnell einig und da ist sie nun, meine neue Strickmaschine, die Brother KX350:




Ich bin gespannt, wie ich mit dieser "Low-Tech-Maschine" zurecht kommen werde, da ich an sich die elektronische Vollausstattung meiner Brother KH940 mit allem nur denkbaren Schnickschnack gewöhnt bin. ;-)

Zubehör/Ersatzteile:
Immerhin konnte ich bereits herausfinden, dass es selbst für diese einfache Maschine Bemusterungsmöglichkeiten gibt. Es gibt einerseits den KX-Selektor-Schlitten, der einen 10er-Rapport vorwählen kann, der aber recht teuer und nur noch selten zu bekommen ist. Und dann gibt es noch den Magic Needle Selector Wand (frei übersetzt: Magischer Nadelauswahlstab) von Catherine Goodwin (Knitting Any Way, and Spinning, too!), mit dem man einen Rapport von bis zu 24 Maschen vorwählen und damit praktisch alle Muster aus den gängigen Musterbüchern stricken kann. Auch ihre Multiple Adjustable Latch Tools sehen nach einem hilfreichen Werkzeug aus, dessen Kauf ich in Erwägung ziehen werde! Die Frage ist, ob man mit so dicken Garnen überhaupt Muster stricken möchte. Zur Zeit kann ich mir gut vorstellen, ein einfaches Lochmuster mit der Hand umzuhängen, aber Norwegermuster kommen wohl eher nicht in Frage, da sie schon auf dem Feinstricker zu einem sehr dicken und warmen Gestrick führen. Ich stelle mir eher vor, dass ich solch dicke Wolle glatt rechts stricke und die Stricksachen mit gehäkelten oder handgestrickten Designdetails aufpeppe.

Mit speziellen Befestigungen für die KX350 kann man auch einen Brother-Formstricker an der Maschine anbringen. Und natürlich gibt es auch immer die Möglichkeit, über ein ScreenLink-Kabel interaktiv mit Designaknit zu stricken.

Außerdem fand ich diesen interessanten Blogbeitrag von Ozlorna, in dem sie beschreibt, wie man zwei KX350 zu einer zusammenbauen kann und somit ein Nadelbett mit doppelter Breite zur Verfügung hat. Gerade wenn man, so wie ich, schon auf einem Feinstricker nicht mit den 200 Nadeln auskommt, ist das eine sehr verlockende Möglichkeit. Ich sah im Netz auch Bilder von einer Strickerin, die die doppelt breite Maschine als Linker verwendet und sämtliche Nähte ihrer auf Mittel- und Grobstricker gestrickten Strickstücke darauf schließt. Mit insgesamt 260 Nadeln kann man sogar die lange, durchgehende Naht von Ärmel- und Seitenteil in einem Rutsch schließen.

Auch interessant ist, dass der Schlitten der KX395 auf die KX350 passt und es so ermöglicht, auch Intarsien zu stricken.

Ersatznadeln sind für die KX350 nur noch schwer zu finden, es sollen aber auch die Nadeln der Silver Reed LK150 passen. Das werde ich kurzfristig testen, da ich dringend Ersatznadeln beschaffen muß.

Wartung:
Die KX350 hat keine Nadelsperrschiene, die man herausziehen und einfach ersetzen kann, so wie die Brother-Maschinen mit Metallnadelbett. Die Nadeln werden aber auch bei dieser einfachen Maschine durch einen lose in einem Führungskanal im Inneren der Maschine liegenden Schaumstoffstreifen in Position gehalten und dieser muß auch regelmäßig ersetzt werden, damit die Maschine fehlerfrei arbeitet. Zum Glück gibt es im Netz einige Anleitungen, die detailliert zeigen, wie dieser Schaumstoffstreifen ersetzt werden kann. Das ist etwas aufwendiger, da man dafür alle Nadeln entfernen und die Maschine aufschrauben muß. Hier gibt es beispielsweise ein Video der Answerlady Kate Winslow, hier eine Bildanleitung von Marzipanknits und hier auch eine deutsche Anleitung im Stricknetz.

Mein Fazit:
Ich werde weiter berichten, ob ich mit dieser Maschine glücklich werde oder ob ich doch in Erwägung ziehen sollte, die alten Handstrickgarne endgültig abzugeben, oder ob ich mir sogar eine zweite Maschine zulege. Die ersten Maschenproben lassen mich jedenfalls hoffen, dass die Maschine durchaus brauchbar ist. Sie ist offenbar in der Lage, eine breite Auswahl der verschiedensten Garne zu verarbeiten. Das dickste von mir getestete Garn hatte eine Lauflänge von 200 m pro 100 g und ergab bei Maschenweite 5 ein schönes und gleichmäßiges Maschenbild. Es ist also möglich, noch deutlich dickere Garne zu verstricken, da noch viel Luft nach oben bei der Einstellung der Maschenweite ist. Lediglich bei einem sehr langhaarigen Mohairgarn hatte ich Schwierigkeiten, den Schlitten zügig hin- und herzuschieben.
Die Maschine ist wunderbar unempfindlich und leicht und daher perfekt geeignet, um sie im Sommer mit in den Garten zu nehmen oder zu einem Maschinenstricktreffen zu transportieren, ohne dass sie Schaden nimmt.




Kommentare:

  1. Vielleicht können deine Mädels damit bunte Schals stricken, auch für ihre Freundinnen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Daran habe ich auch schon gedacht. Zumindest die Kleine ist recht interessiert! ;-)

      Löschen
  2. Vielen Dank für diesen informativen Bericht. Ich habe nämlich heute eine gekauft.

    AntwortenLöschen